12. Oktober 2009

Bernhard-Dräger-Award 2009 feierlich übergeben

Wien – Zum Auftakt ihres Jahreskongresses 2009 in Wien hat die Europäische Gesellschaft für Intensivmedizin (European Society for Intensive Care Medicine, ESICM) den mit 15.000,- Euro dotierten „Bernhard Dräger Award for Advanced Treatment of Acute Respiratory Failure“ verliehen. Der diesjährige Gewinner ist Dr. Vasilios Papaioannou von der Democritus-Universität von Thrakien in Alexandroupolis (Griechenland).

Der Preisträger nahm den Preis im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung im Austria Center in Wien entgegen. Er wurde überreicht von Prof. Dr. Rui Moreno, Präsident der ESICM, Dr. Daniel de Backer, Vorsitzender des Forschungskomitees der ESICM, und Sebastian Kässner, Leiter des Strategischen Geschäftsfelds Beatmungsgeräte bei Dräger. Das Lübecker Unternehmen Dräger ist der Stifter des Preises.

Award zeichnet Studien zur respiratorischen Insuffizienz aus

Mit dem ausgeschriebenen Preisgeld unterstützt der Forschungspreis Studien zur fortschrittlichen Behandlung akuter respiratorischer Insuffizienz. In seiner Studie „Investigation of Cardiorespiratory Coupling, Heart Rate and Breath-to-Breathe Variabilty for Weaning Outcome Assessment in Mechanical Ventilated Patients“1 überprüft der Preisträger Vasilios Papaioannou die Hypothese, dass sich aus der Analyse der Parameter Herzfrequenz und Atemmuster Einschätzung darüber treffen lässt , wann eine Entwöhnung vom Beatmungsgerät Erfolg versprechend ist. Sie wird seit Sommer 2009 an mindestens 30 Patienten durchgeführt.

„Die Studie überprüft Parameter, die ohnehin vorliegen, unter einem neuen Gesichtspunkt“, begründet Daniel de Backer die Auszeichnung. „Sollten mit Hilfe der Studie verlässliche Indikatoren zur besseren Steuerung des Entwöhnungsprozesses identifiziert werden können, so hätte dies für die klinische Praxis eine hohe Relevanz.“ Papaioannou legt seiner Untersuchung die Erkenntnis zugrunde, dass Herzfrequenz und Atemmuster einer natürlichen Variabilität unterliegen und zwischen beiden ein Zusammenhang besteht.

Variabilität weist auf gesunde Organismen hin

Wie Studien zeigen, unterliegen gesunde biologische Systeme grundsätzlich einem gewissen Maß an zufälliger Variabilität, die ihnen vermutlich die größere Flexibilität und robustere Funktion im Vergleich zu kranken biologischen Systemen verleiht.2 So wird eine fehlende Herzfrequenzvariabilität als ein Risikofaktor für Patienten mit Herzinsuffizienz angesehen.3 Patienten, die erfolgreich vom Beatmungsgerät entwöhnt werden konnten, zeigten wiederum eine höhere Atemvariabilität als diejenigen, bei denen der Versuch fehlschlug.4

Untersuchungen von Gama de Abreu et al. an Schweinen haben gezeigt, dass eine künstlich erzeugte Variabilität in der Beatmungsunterstützung unter anderem zu einer Verbesserung der Oxygenierung führt.5 Dies legt die Annahme nah, dass Beatmungsgeräte die Entwöhnung besser unterstützen können, wenn sie über die Möglichkeit verfügen, Patienten mit einer zufälligen Variabilität zu beatmen. Hierzu soll die Arbeit des Preisträgers weitere Informationen liefern.

Zur Namensgebung des Preises

Dr. Ing. h.c. Bernhard Dräger (1870-1928), Sohn des Firmengründers Heinrich Dräger, ist der Namensgeber des Preises. Innerhalb von 28 Jahren meldeten er und sein Vater 261 deutsche und 443 Auslands-Patente an, außerdem wurde ihnen 912 Mal Gebrauchsmusterschutz gewährt. Das Credo Bernhard Drägers lautete: „Das Erfinden ist die Tätigkeit der Phantasie, Neues zu gestalten.“ Dies soll der Preis, der 2009 zum zweiten Mal vergeben wird, unterstützen und auszeichnen.

Bernhard Dräger Award 2009

Dr. Vasilios Papaioannou nahm den Bernhard-Dräger-Award in Wien entgegen. Er wurde überreicht von Dr. Daniel de Backer, Vorsitzender des Forschungskomitees der ESICM.

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  1. „Untersuchung der kardiorespiratorischen Kopplung, Herzfrequenz und des Atemmusters zur Einschätzung des Erfolges des Entwöhnungsprozesses von mechanisch beatmeten Patienten“ (noch unveröffentlicht)
  2. Buchman TG: The community of the self. Nature 2002; 420: 246-251.
  3. Priori SG et al: Task Force on Sudden Cardiac Death of the European Society of Cardiology. Eur Heart J 2001; 16: 1374-1450.
  4. Wysocki M et al.: Reduced breathing variability as a predictor of unsuccessful patient separation from mechanical ventilation. Crit Care Med. 2006 Aug; 34
  5. Gama de Abreu, M. et al: Noisy pressure support ventilation: A pilot study on a new assisted ventilation mode in experimental lung injury. In: Crit Care Med 2008 Vol. 36, No. 3.