28. August 2009

Vorteile nicht-invasiver Medizintechnik

Lübeck – Auf dem Weg zur Gesundheit spielen medizinische Gesichtspunkte die Hauptrolle. Aber auch die psychische und physische Belastung des Patienten durch die Behandlung, ein möglichst schneller und reibungsloser Heilungsprozess und nicht zuletzt wirtschaftliche Aspekte sind nicht zu vernachlässigen. Der Einsatz nicht-invasiver Technologien trägt dazu bei, das Patientenwohlbefinden zu steigern1,5,7 , Komplikationen zu vermeiden5,9 und kosteneffizient1,14,15 zu agieren. Dräger bietet eine Vielzahl nicht-invasiver Lösungen für die Akutmedizin und entwickelt diese kontinuierlich weiter.

Kosteneffizienz: Weniger ausgeben – mehr erreichen

Mit jedem invasiven Eingriff in den Körper ist eine primäre Eintrittspforte für Keime geöffnet. Das erhöht das Risiko für nosokomiale Infektionen14, die den Aufenthalt im Krankenhaus verlängern und hohe Folgekosten6,12,13 verursachen. Zahlen machen das deutlich: So fielen laut einer im Jahr 2000 veröffentlichten Studie in US-amerikanischen Krankenhäusern durch nosokomiale Infektionen jährliche Kosten von 29 Milliarden Dollar an3. Der Einsatz nicht-invasiver Anwendungen kann dort, wo er medizinisch sinnvoll ist, dem entgegenwirken und zur Kosteneffizienz im Krankenhaus beitragen12.

Nicht-invasive Verfahren beschleunigen oft auch den Heilungsprozess und entlasten damit die Pflegekräfte. So kann beispielsweise die nicht-invasive Beatmung die Belegungszeiten in teuren Intensivbetten reduzieren, da die Entwöhnungsphase vom Beatmungsgerät kürzer ist2. Die Kosten für einen nicht-invasiv beatmeten Pneumonie-Patienten betragen in Europa wenige als die Hälfte der Kosten, die für intubiert beatmete Patienten aufgewendet werden müssen12. Auch im Bereich des Monitorings und Screenings bieten nicht-invasive Anwendungen Kostenvorteile gegenüber invasiven Verfahren5. Die nicht-invasive arteriellen Blutdruckmessung10 oder auch die nicht-invasive Bilirubinmessung bei Neugeborenen beispielsweise sind wesentlich schneller anzuwenden, da keine Kanüle gelegt beziehungsweise kein Blut entnommen werden muss. Zudem können beim Screening zeit- und kostenintensive Blutuntersuchungen im Labor vermieden werden11. Ein weiterer Pluspunkt: Es kommen nahezu keine Verbrauchsartikel zum Einsatz, wodurch sich Anschaffungskosten deutlich schneller amortisieren können als für invasive Messgeräte. Ebenso trägt die Tatsache, dass Pflegekräfte nur kurzes Training benötigen, um nicht-invasive Monitoring- und Screening-Geräte einzusetzen, zur Kosteneffizienz bei.

Patientenwohlbefinden: Zufriedenheit ist keine Nebensache

Krankenhausaufenthalte bedeuten für viele Betroffene eine enorme psychische und physische Belastung. Daher ist es im Sinne einer schnellen und reibungslosen Genesung wichtig, Stress und Schmerzen soweit es geht zu vermeiden. Nicht-invasive Methoden können zu einer körperlichen und seelischen Entlastung des Patienten beitragen. Im Bereich der nicht-invasiven Beatmung beispielsweise kommen immer wieder Patienten über variierende Phasen hinweg ohne Masken aus und können sich so mit Ärzten, Pflegern und Besuchern – wenn auch etwas eingeschränkt – austauschen und gelegentlich etwas zu sich nehmen1,6. Im Gegensatz zur invasiven Beatmung muss der Patient zudem nicht ruhiggestellt werden und ist bei vollem Bewusstsein4.

Die oftmals kürzere Behandlungszeit bei der Anwendung nicht-invasiver Verfahren2,8 trägt ebenfalls zum Wohlbefinden des Patienten bei. So kann beispielsweise ein nicht-invasives Blutdruck-Monitoring-Gerät schneller angewendet werden als ein invasives10. Dies ermöglicht eine schnellere Diagnostik und das schnellere Einleiten geeigneter Maßnahmen, damit es dem Patienten zeitnah besser geht.

Insbesondere auf Säuglingsstationen spielt das Thema Patientenwohlbefinden eine große Rolle. Hier bietet der Einsatz nicht-invasiver Screening-Geräte zur Messung des transkutanen Bilirubinwertes (TcB) eine sanfte, schmerzfreie und zugleich akkurate11 Alternative zum herkömmlichen Ikterus-Messverfahren. Dadurch kann die Notwendigkeit schmerzhafter Blutentnahmen um 40 Prozent reduziert werden11. Zudem liegen die Ergebnisse unmittelbar vor, sodass den Eltern sorgenvolles Warten auf Laborergebnisse erspart bleibt.

Vermeidung von Komplikationen: Nur Effekte in Kauf nehmen, die gewünscht sind

Eine der am häufigsten auftretenden nosokomialen Infektionen in den USA und Europa ist das Risiko einer Ventilator-assoziierten Pneumonie (VAP), die durch invasive Beatmung hervorgerufen werden kann9. Bei der nicht-invasiven Beatmung sinkt die Anzahl möglicher Komplikationen um 62 Prozent8, wodurch nicht zuletzt die Mortalitätsrate deutlich geringer ist als bei der Beatmung mit dem Tubus7. Auch das Auftreten von Nebenwirkungen bei tubusbeatmeten Patienten, zum Beispiel durch die Verabreichung von Sedativa zur Schmerzausschaltung, wird durch nicht-invasive Behandlungsmethoden ausgeschlossen. Ebenso können in der Patientenüberwachung, beispielsweise bei der kontinuierlichen arteriellen Blutdruckmessung, Komplikationen wie die Bildung von Blutungen oder Hämatomen vermieden werden.

Literatur

1 Bülow HH, Thorsager B, Hoejberg JM. Experiences from introducing non-invasive ventilation in the intensive care unit: a 2-year prospective consecutive cohort study. Acta Anaesthesiol Scand 2007; 51: 165-170

2 Ferrer et al.: Non-invasive Ventilation during Persistent Weaning Failure. Am. J. Respir. Crit. Care Med. 2003; Vol. 168, No. 1: 70–76

3 Institute of Medicine. To Err is Human: Building a Safer Health System. National Academy Press 2000

4 Kuhlen R.: „NIV erfordert ein anderes Patienten-Management“. Drägerheft 2008: 15

5 Maisels MJ, Kring E. Transcutaneous bilirubinometry decreases the need for serum bilirubin measurement and saves money. PEDIATRICS, 1997; 99: 599-601

6 Nava S.: „Offen sein für nicht-invasive Beatmung“. C.A.R.E. 2006; 1

7 Plant PK, Owen JL, Elliott MW. Early use of non-invasive ventilation for acute exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease on general respiratory wards: a multicentre randomised controlled trial. Lancet 2000; 355: 1931–5.

8 Ram FSF, Picot J, Lightowler J, Wedzicha JA. Non-invasive positive pressure ventilation for treatment of respiratory failure due to exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. The Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 3

9 Robert Koch-Institut 2000: Prävention der nosokomialen Pneumonie – Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2000; 43: 302-9

10 Sackl-Pietsch, Elisabeth: CNAP™ (Continuous non-invasive arterial pressure) shows high accuracy in comparison to invasive intra-arterial blood pressure measurement. CNSystems/Dräger-Whitepaper 2008.

11 Sanpavat et al. 2007: Suwimol Sanpavat MD, Issarang Nuchprayoon, MD, PhD: J Med Assoc Thai Vol. 90 No. 9 2007 „Transcutaneous Bilirubin in the Pre-Term Infants“

12 Schönhofer, B.: Nicht-invasive Beatmung - Grundlagen und moderne Praxis, UNI-MED, Bremen, 2006

13 Schönhofer B et al. Nicht-invasive Beatmung bei akuter respiratorischer Insuffizienz. Deutsches Ärzteblatt 2008; 105(24): 424-433.

14 Warren DK et al. Crit Care Med 2003.